Geboren wurde ich am 14. Mai 1992 in Neuss im Lukaskrankenhaus. Meine Eltern (beide Jahrgang 1964) haben sich ziemlich genau 10 Jahre vorher dort kennengelernt. Zu dieser Zeit hat meine Mutter dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und mein Vater hat im selben Krankenhaus Zivildienst geleistet.

Nach meiner Geburt sind wir von Neuss in ein kleines 700-Seelen-Dorf namens Jackerath gezogen. Jackerath liegt wie Neuss ebenfalls in NRW – an dem Autobahnkreuz A61 und A44 also irgendwo im Nichts zwischen Aachen und Mönchengladbach. Meine Kindheit dort war schön, ruhig und behütet. Ich hatte einige Freunde und war ein glückliches Kind, das meistens draußen mit dem Fahrrad oder Fussball unterwegs war.

 

Im Jahre 2002 trennten sich meine Eltern und mein Vater zog an die Ostsee in die Nähe von Lübeck. Damals ging für mich eine Welt unter. Heute allerdings kann ich sagen, dass die Trennung für beide besser war, da beide danach im Endeffekt glücklicher gelebt haben. Meine Mutter lerne kurze Zeit nach der Trennung ihren neuen Freund kennen. Henning zog dann auch bei uns ein und – abgesehen von kleinen Streitereien – kam und komme ich super gut mit ihm aus.

 

2014 wurde bei meiner Mutter Darmkrebs im Endstadium diagnostiziert. Die Ärzte sagten, dass eine Heilung nicht mehr möglich sei, da sich bereits Metastasen in Leber und Lunge gebildet hatten. Man entschloss sich trotzdem im eine Chemotherapie im Zweiwochenrhythmus zu beginnen. Die Nachricht vom Krebs meiner Mutter und die damit verbundenen Lebensumstände waren bis heute das schlimmste, was ich erlebt habe. Sie war immer ein sehr lebensfroher Mensch, die mir beigebracht hatte, trotz Mukoviszidose jeden Moment des Lebens zu genießen und in mich aufzusaugen. Diese tolle Einstellung hat sie auch während ihrer Krankheit beibehalten. Um mich auf ein Leben ohne meine Mutter vorzubereiten, beschloss ich noch während der Krankheit zu Hause auszuziehen und mietete eine Wohnung in Aachen. Die Abnabelung von daheim funktionierte bestens und heute stehe ich auf eigenen Beinen und bekomme sowohl den Haushalt als auch meine Gesundheit sehr gut gemanaget. Am 02. Januar 2016 starb meine Mutter dann nach knapp zwei Wochen Aufenthalt in der Palliativstation des Lukaskrankenhauses in Neuss. In dieser eigentlich schlimmen Zeit rückte die ganze Familie und die engen Freunden sehr nah zusammen – ein im Nachhinein wirkliches Geschenk, welches uns die traurigen Umstände bereitet haben.

 

Heute wohne ich mitten in Köln, direkt am Aachener Weiher in einer erschreckend kleinen Wohnung. Ich arbeite als Learning Center Administrator in der Personalentwicklung der REWE Group. In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freunden, gehe Fussball gucken bei Fortuna Köln oder verbringe Zeit mit meiner Freundin.